Corsario: Variable Serifenschrift für das Editorial Design
Die Foundry Floodfonts präsentiert mit »Corsario« eine neue Schriftfamilie von Felix Braden. Nach über fünf Jahren Entwicklungszeit ist das System nun komplett. Der Variable Font orientiert sich an britischen Vorbildern des 19. Jahrhunderts und nutzt das Konzept optischer Größen, um Layouts vom Fließtext bis zur plakativen Headline abzudecken.

Das Editorial Design stellt komplexe Anforderungen an die Typografie: Eine Schrift muss in extremen Kontrasten funktionieren, ohne ihre konsistente Gestaltungssprache zu verlieren. Mit der Corsario hat der Designer Felix Braden eine Serifenschrift entwickelt, die speziell auf dieses Einsatzgebiet zugeschnitten ist. Mit der Veröffentlichung der kursiven Schnitte (Italics) findet das bislang größte und umfangreichste Schriftprojekt des Gestalters nun seinen Abschluss.

Formal orientiert sich der Entwurf an der britischen Schrifttradition des 19. Jahrhunderts. Er verbindet Einflüsse aus klassischen Transitional-, Scotch- und Fatface-Schriften mit zeitgenössischen Proportionen. Markante, scharf gezeichnete Serifen verleihen der Schrift in großen Graden (Display) einen prägnanten Charakter, während sie in kleinen Größen für die nötige Stabilität im Zeilenlauf sorgen.
Rückkehr der optischen Größen
Ein zentrales technisches Merkmal der Corsario ist die Nutzung variabler Schrifttechnologie. Neben einer Achse für die Strichstärke (Weight) verfügt der Variable Font über eine optische Größenachse (Optical Size).

Damit greift der Entwurf ein klassisches Konzept aus der Ära des Bleisatzes auf: Damals wurde jeder Schriftgrad noch individuell gezeichnet – kleinere Schriften erhielten robustere Proportionen, während große Bleilettern feine Kontraste zuließen. Im Fotosatz und Desktop Publishing (DTP) ging diese Praxis aus wirtschaftlichen Gründen oft verloren. Die Corsario übersetzt dieses Prinzip in die Gegenwart, sodass Gestalter innerhalb einer einzigen Datei stufenlos zwischen filigranen Display-Anwendungen und robusten Textgrößen für Fußnoten interpolieren können.
Lesbarkeit als Konstruktionsprinzip
Im Bereich der Lesbarkeit stützt sich Felix Braden auf die Theorien des niederländischen Typografen Gerard Unger (»Wie man’s liest«). Um den Lesefluss zu fördern, setzt die Corsario auf vergleichsweise hoch angesetzte, flache Schultern (etwa bei den Buchstaben n, h und m). Diese Konstruktion vergrößert die Punzen und öffnet die Buchstabenformen, wodurch ein ruhiges Schriftbild entsteht.

Dieses Prinzip der betonten Horizontalen sorgt insbesondere im sogenannten Caption-Schnitt für eine hohe Stabilität. So bleibt die Schrift auch unter erschwerten Bedingungen, wie im Zeitungsdruck oder auf niedrig auflösenden Bildschirmen, gut erfassbar. Auch die feinen Striche (Haarlinien) passen sich der Größe an: In den plakativen Display-Größen verstärken sie sich erst kurz vor den Serifen, während sie in Text- und Caption-Größen durchgehend kräftiger gehalten sind.

Preise und Verfügbarkeit
Die Corsario-Schriftfamilie besteht aus zwei Variable Fonts (Upright und Italic) und deckt das Spektrum von insgesamt 54 statischen Einzelschnitten ab. Erhältlich ist die Schrift ab sofort direkt bei Floodfonts sowie über Plattformen wie MyFonts und Font Bros (Kaufpreis für die gesamte Familie: ca. 792 US-Dollar). Für Nutzer der Adobe Creative Cloud steht die Corsario zudem über Adobe Fonts ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung.


