Motion Design – Was ist das?

Motion Design hat sich zu einer beliebten Designdisziplin entwickelt. Doch was ist Motion Design eigentlich genau? Welche Möglichkeiten haben Designer, die mit „bewegter Gestaltung“ wirklich etwas bewegen möchten? Antworten gibt es hier. Alles, was man über Motion Design wissen muss.

Motion Design

Was ist Motion Design?

Motion Design ist eine Designdisziplin, die audiovisuelle Gestaltung mit modernen Technologien verbindet. Die Bewegtbilder werden in der heutigen Zeit häufig mit Elementen aus Grafik-Design und Typografie versehen, um beeindruckende Bildwelten und Stimmungen zu kreieren.

Das zeigen beispielsweise die animierten Vorspänne der James-Bond-Filme. Die Intros sind Paradebeispiele für audiovisuelle Gestaltung im Bereich Motion Design. Natürlich gibt es auch noch viele weitere Beispiele zu entdecken.

Motion Design in James Bond Filmen
Das James Bond Archiv (ISBN: 978-3-8365-5183-0) aus dem Verlag TASCHEN behandelt die Entstehungsgeschichte jedes einzelnen James-Bond-Films. Hier im Bild: das Motion Design aus einem der ersten Filme (© Foto: Verlag TASCHEN, www.taschen.com)

Als die Bilder laufen lernten

Die Kombination aus „Motion“ und „Design“ kommt nicht von ungefähr. Der Mensch fühlt sich seit jeher von Bewegungen angezogen. Französische Archäologen haben mittlerweile herausgefunden, dass bereits die Höhlenmalerei in der Steinzeit zu wahren Trickfilmen fähig war. Um die Bewegung eines Tieres darzustellen, malte man ein Bison, das auch acht Beinen besteht. Übereinandergelegt ergeben die Zeichnungen eine Bildfolge mit den jeweiligen Phasen der Beine beim Laufen.

Film-KameraDas Motion Design, das wir heutzutage kennen, ist fest mit der Erfindung des Films verwurzelt. Ende des 19. Jahrhunderts konnte man erstmals Bewegung auf die Leinwand zaubern. Man stellte schnell fest, dass sich durch Bewegtbilder auch Zeichnungen zum Leben erwecken lassen. Somit eröffneten sich völlig neue Möglichkeiten für Künstler und Karikaturisten. Von nun an war der Trickfilm geboren.

Einer der ersten Vertreter des Genres war Gertie the Dinosaur. Der 1914 von Winsor McCay gestaltete Film gilt zudem als erster Animationsfilm, der komplett aus handgezeichneten Bildern besteht. Es handelte sich dabei um eine echte technische Revolution, die jedoch noch keinen Ton hatte. Aber das spielte seinerzeit noch keine große Rolle.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich dann weitere Charaktere. 1933 erblickte schließlich „Popeye“ das bewegte Licht der Welt. Außerdem hatte zu der Zeit ein gewisser Walter Disney vor, mit dem Animationsfilm Oswald the lucky Rabbit in Kalifornien groß rauszukommen. Da er jedoch das Kleingedruckte in den Verträgen nicht aufmerksam las, gingen die Rechte an den Distributor über. Daraufhin gründete der Zeichner sein eigenes, auf den Namen „Disney Bros. Studios“ getauftes Filmstudio. Die erste Tonversion von Mickey Mouse war ein voller Erfolg und legte den Grundstein für das heutige Walt-Disney-Imperium.

Die Entwicklung hin zum Motion Design

Es blieb nicht aus, dass die Filmbranche einen intensiven Blick auf die Trickfilme richtete. Die Filmstudios hatten sich damals verpflichtet, die beteiligten Personen direkt am Anfang eines Spielfilms namentlich aufzuführen. Da kam diese Art der Darstellung ganz recht. Schließlich hatte keiner wirklich Interesse daran, langweilige Textwüsten über sich ergehen zu lassen. Ansprechend gestaltet sah das schon ganz anders aus. Und so war das Title Design geboren.

Von Mitte der 1930er bis Ende der 1940er Jahre waren es vor allem Künstler wie William Galbraith Crawford, Alvan Hadley, Al Hirschfeld, Ted Ireland, Jacques Kapralik, George Petty und Symeon Shimin, die das Title Design prägten.

Saul Bass, der vor allem für das Title Design vieler Hitchcock-Filme Bekanntheit erlangte, sowie Maurice Binder, der Designer der James-Bond-Vorspänne in den 1960er bis 1980er Jahren, gaben Filmtiteln den letzten Schliff und trieben die Qualität bewegter Bilder entscheidend voran.

Im Laufe der Zeit machte der technische Fortschritt auch vor Motion Design nicht halt. Künstler fingen an, mit Technikern und Programmierern zu arbeiten. Es entstand die Videokunst, auch Medienkunst genannt. Anfangs wurde oft mit nur einer Videokamera gearbeitet und die Aufnahme dem Zuschauer direkt am angeschlossenen Gerät gezeigt. Mit fortschreitender technischer Entwicklung kam es dann zu aufwendigen Videos, die in Form von Installationen mit künstlerischen Bewegtbildern von sich Reden machten. Einer der oft in diesem Zusammenhang genannten Künstler ist Nam June Paik. Er gilt als Begründer der Video- und Medienkunst.

Motion Design heute

In der heutigen Zeit stellt Motion Design eine vielfältige Designdisziplin für Kreative dar. Es ist vor allem das Zusammenspiel von Bild, Film, Typografie und Audio, das die „Bewegungs-Gestaltung“ so attraktiv macht. Bereiche wie Kunst, Werbung oder Film profitieren von den Möglichkeiten, die Motion Design heute bietet. So kann aus „Motion“ schnell „Emotion“ werden und die Zuschauer oder die Konsumenten werden auf eine Art und Weise angesprochen, wie es sich die Verantwortlichen in den Unternehmen gern wünschen.

Motion Design heute
Die Titelsequenz der dritten Staffel von HBOs „True Detective“ zeigt, wie heutzutage Bild, Film, Typografie und Audio beim Motion Design zusammenspielen. Mehr über das Projekt gibt es auf behance.net zu sehen. (© Abb.: Mill +, Antibody und Nic Pizzolato – www.behance.net/gallery/75957063/True-Detective-3-opening-title)

Motion Design spielt zudem auch in sozialen Medien eine immer wichtiger werdende Rolle. Es gibt kaum noch Tutorial- und Erklärvideos, Werbespots oder Intro-Animationen, die nicht mit animierten Bildern und Sounds daherkommen. Motion Design ist daher auch zu einem wichtigen Werkzeug im Marketing geworden. Eine Designdisziplin, die immer mehr Experten und spezialisierte Dienstleister hervorbringt.

Die Vorteile von Motion Design liegen auf der Hand:

  • Informationen können durch audiovisuelle Inhalte leichter wahrgenommen werden
  • Der Zuschauer wird auf emotionaler Ebene angesprochen
  • Bindungen zu Produkten oder Dienstleistungen lassen sich somit leichter aufbauen

Die Zukunft von Motion Design

In Zeiten von Augmented Reality, virtuellen Welten und künstlicher Intelligenz bleibt es abzuschätzen, wie sich Motion Design in Zukunft weiterentwickeln wird. Designer arbeiten zunehmend mehr in Gebieten, die einst Programmierer, Techniker, Regisseure, Musiker oder Marketing-Experten innehatten. Die Grenzen dabei sind häufig fließend. Der Mensch wird auch in Zukunft empfänglich für audiovisuelle Inhalte sein – das belegen beispielsweise statistische Auswertungen und Erhebungen der letzten Jahre. Dabei kann Motion Design eine wichtige Rolle spielen. Es stehen bewegende Zeiten für Kreative an.

Motion Design Studium und Ausbildung

Motion Design Studium und Ausbildung

Motion Designer sind in der heutigen Zeit gefragt. Ihre Aufgaben sind vielfältig. Wer gern kreativ arbeiten möchte, findet als Motion Designer zahlreiche Möglichkeiten, seine Ideen umzusetzen.

Wer denkt, die Designdisziplin bestehe hauptsächlich aus Computer-Animation bzw. Zeichentrick, liegt jedoch falsch. Vielmehr geht es bei der Arbeit als Motion Designer um die Konzeption von Inhalten und deren Umsetzung. Dazu gehören unter anderem das Schaffen von visuellen Verbindungen, die Gestaltung von Übergängen und mehr. Zudem gilt es häufig, bestimmte Prozesse und Abläufe bei der Produktion einzuhalten. Das alles muss dann noch mit der eigentlichen, kreativen Arbeit in Einklang gebracht werden.

Motion Design kann zu einem großen Unterfangen werden, das Kreative dann häufig im Team lösen. Daher arbeiten Motion Designer oft Hand in Hand mit Experten wie Programmierern, Regisseuren, Autoren, Marketingexperten oder professionellen Musikern zusammen. Je nach Umfang der zu erbringenden Leistungen kann so eine Umsetzung auch mal länger dauern und mit erforderlichen Anpassungen verbunden sein.

Ein angehender Motion Designer sollte daher mitbringen:

  • Kreatives Talent für audiovisuelle Gestaltung
  • Durchhaltevermögen, um seine Ideen umzusetzen
  • Die Fähigkeit, im Team arbeiten zu können

Motion Design StudentenKreative Hochschulen setzen ihren Fokus bei der Ausbildung unterschiedlich. Manche Studiengänge vermitteln eher das technische Handwerkszeug eines Motion Designers. Andere hingegen stellen den künstlerischen und kreativen Prozess in den Vordergrund.

Im Rahmen ihres Studienangebots bietet die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim (HAWK) praxisnahe Projekte mit der Industrie und der Wirtschaft. Fester Bestandteil der Lehre ist außerdem das Erlernen von Tools wie After Effects, Photoshop, Premiere, Cinema 4D oder Final Cut. Es stehen zudem zwei Studios zur Verfügung.

Die Hochschule Niedrrhein bietet mit dem Animationsstudio von designkrefeld eine Möglichkeit für Studierende, Arbeitsplätze stunden- oder tageweise zu belegen. Längere Arbeitsphasen lassen sich somit im Vorfeld planen. Geboten wird außerdem ein Greenbox-Studio zum Aufnehmen bzw. Freistellen von Fotos und Videos.

Aber auch private Fachhochschulen eröffnen viele Möglichkeiten zur Weiterbildung in Sachen Motion Design. Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Europa (in Iserlohn, Berlin und Hamburg) bietet beispielsweise ein Bachelor-Studium im Bereich „Film + Motion Design“ an, das ein breites Spektrum abdeckt.

Weitere Adressen und Anlaufstellen zu Beruf und Ausbildung im Bereich Design findet man außerdem hier auf Designer in Action.

Der typische Motion Designer (demografische Daten)

Nach einer Studie der School of Motion aus dem Jahr 2019 beträgt das durchschnittliche Alter eines Motion Designers 33 Jahre. Kreative, die in diesem Bereich arbeiten, blicken im Schnitt auf eine 7-jährige Erfahrung zurück. Etwa 75% der Befragten waren männlich. Der weibliche Anteil lag bei ca. 25%.

Am meisten verdienen Motion Designer in den USA. Dort liegt das Einkommen bei umgerechnet ca. 80.000 Euro im Jahr. Der Studie nach kommt in Deutschland ein Motion Designer im Durchschnitt auf ca. 42.000 Euro. Das deckt sich in etwas mit den Angaben von Gehalt.de bzw. Stepstone.

85% der Befragten Motion Designer gaben an, in einer Agentur oder einem Studio mit einer Größe von 1 – 10 Mitarbeitern zu arbeiten.

Motion Designer - Demografische Daten
Demografische Daten, die im Rahmen des „2019 Motion Design Survey“ ermittelt wurden.

Inspiration suchen Motion Designer bevorzugt auf Instagram, Motionographer, Vimeo, Behance und Pinterest. Zur Verbesserung ihrer Fähigkeiten gaben die internationalen Teilnehmer der Umfrage an, Kanäle wie YouTube, School of Motion, Greyscalegorilla, Skillshare und Instagram zu nutzen.

Am meisten Sorgen bereiten Motion Designern schrumpfende Budgets, zunehmende Automatisierungen, steigender Wettbewerb, Wechsel zu 3D sowie die allgemeine Verwendung von Vorlagen. Großes Potenzial für Motion Design sehen die Kreativen in Bereichen wie 3D, Virtual Reality, Freelancing, Augmented Reality und UI-/UX-Design.

Motion Design Tools

Mit welchen Tools Motion Designer am liebsten arbeiten, hat die School of Motion im Rahmen ihrer Umfrage herausgefunden. Mehr als 1.000 Motion Designer wurden nach ihren meistgenutzten Programmen befragt.

Motion Design Tools
Die Grafik zeigt die am häufigsten verwendeten Motion Design Tools.

Das mit Abstand populärste Motion Design Tool ist demnach After Effects. Knapp 80% der Befragten gaben an, im letzten Jahr am häufigsten mit dieser Software aus dem Hause Adobe gearbeitet zu haben.

Platz 2 geht an Illustrator. Ebenfalls beliebt bei Motion Designern sind die Tools Photoshop, Photoshop, Cinema 4D, Premiere Pro, Maya und Animate/Flash.

51.7% der befragten Motion Designer arbeiten am Mac. Windows als Betriebssystem verwenden 48.2% der Teilnehmer. Linux kommt auf einen Anteil von 0.1%.

Motion Design Awards

Wertschätzung erhält Motion Design unter anderem bei speziellen Awards. Als prominentes Beispiel ist hier der animago-Award zu nennen, der seit 1997 weltweit 3D-Animationen, Stills, visuelle Effekte, Design und mehr auszeichnet. Die Kategorie „Motion Design“ wurde 2016 neu eingeführt. In diesem Jahr konnte das Motion Design für Hurlevent die begehrte Trophäe gewinnen.

Der Red Dot Award: Brands & Communication Design bietet mit der Kategorie „Film & Animation“ eine Möglichkeit, Intros, Videos, Trailers, visuelle Effekte und mehr für den internationalen Wettbewerb anzumelden. Die Preisträger können online eingesehen werden.

Beim ADC Wettbewerb gibt es ebenfalls eine eigene Kategorie, die sich dem Thema „audiovisuelle Medien“ widmet. Die PDF-Datei mit der Übersicht steht auf der Website des Art Directors Club für Deutschland zur Ansicht bereit.

Um interaktives Design geht es beim Wettbewerb Gute Gestaltung in der Rubrik „Interactive“.

Die Umsetzung von Animationen wird bei den European Design Awards in der Kategorie „Motion Graphics“ bewertet. Eingereicht werden können Animationen für Websites, Banner, CDs/DVDs, TV und Film.

Weitere Design-Awards im deutschsprachigen Raum findet man in der Terminübersicht hier auf „Designer in Action“.

Motion Design Beispiele

Es muss nicht immer sofort ein Award sein, um mit Gestaltung etwas zu bewegen. Die folgenden Motion Design Beispiele zeigen, wie sich die Designdisziplin ansprechend und gezielt einsetzen lässt:

Vertrauen schaffen

Wie können Menschen Vertrauen in Maschinen fassen? Mit dieser Herausforderung hat sich Gleb Kuznetsov befasst. Seine Animationen für Rokid sind ein Beispiel dafür, wie man künstliche Intelligenz lebendig wirken lassen kann.

Motion Design Beispiel
An diesem Motion Design Beispiel wird deutlich, wie wichtig Animationen sein können.

Artificial Intelligence UI design for Rokid

Typografie in Einklang mit Animationen

Am Beispiel vom Motion Design für „The Apollo Program in 60 Seconds“ ist erkennbar, dass sich außerdem mit Typografie viel bewirken lässt. Das Video wurde zum 50. Jahrestag der Landung von Apollo 11 gestaltet. Es bietet in knapp einer Minute einen Überblick über alle Missionen, die zu den ersten Schritten auf dem Mond geführt haben und darüber hinausgingen.

Motion Design Beispiel mit Typografie
Ein Beispiel, das den Einsatz von Typografie verdeutlicht.

The Apollo Program in 60 Seconds

Inhalte mit Bewegungen vermitteln

Wenn es um die Vermittlung von Inhalten geht, ist Motion Design eine wirksame Methode. Sichtbar wird das am Beispiel der „10 Thesen für gutes Design von Dieter Rams“ (über die es übrigens auch ein lehrreiches Buch gibt). Die Animation von Andrew Vucko und Steve Hollman wird mit Musik und Sound von John Black (CypherAudio) untermalt. Den Clip kann man auf Vimeo anschauen:

Marken lebendig werden lassen

Motion Design kann außerdem Marken lebendig werden lassen. Dieses wird am Beispiel der Abschlussarbeit von Henning Herholz im Studiengang Kommunikationsdesign an der FH Potsdam deutlich. Das animierte, deutschsprachige Video dazu gibt es hier:

Weitere interessante Beiträge über Designer und Design findet man außerdem im Design-Blog hier auf „Designer in Action“.

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