Goldener Schnitt – Zahlenverhältnis zum Berechnen ästhetischer Design-Proportionen

Als Goldener Schnitt wird ein Zahlenverhältnis beschrieben, das Bilder harmonisch wirken lässt. Wie man den Goldenen Schnitt berechnen kann und wie sich die Goldene Spirale für Design, Kunst, Fotografie und Architektur nutzen lässt, wird hier erklärt.

Infografik Goldener Schnitt

Die wichtigsten Infos zum Goldenen Schnitt sind in dieser Infografik zusammengefasst:

Goldener Schnitt

Was ist der Goldene Schnitt?

Schönheit lässt sich mathematisch berechnen – jedenfalls wenn es nach dem Goldenen Schnitt geht. Schon die alten Griechen wussten, wie man den Goldenen Schnitt nutzt, um Menschen mit ästhetisch ansprechender Architektur zu imponieren. In der Kunst hat man sich ebenfalls diesem Verhältnis von Zahlen bedient.

Ist das also alles nur eine Sache der Mathematik? Hierüber sind sich die Gelehrten nicht ganz einig. Fest steht, dass der Goldene Schnitt ein Verhältnis von Zahlen beschreibt. Dieses kommt auch in der Natur vor. Die Blätter von Pflanzen folgen beispielsweise ebenfalls genau diesen ästhetischen Regeln. Vielleicht sprechen gerade deshalb Menschen so positiv auf den Goldenen Schnitt an.

Goldener Schnitt berechnen

Im Prinzip ist der Goldene Schnitt eine Aufteilung in einem bestimmten Verhältnis. Zum Berechnen sollte man sich die folgende Zahlen bzw. Proportion merken:

  • 1 : 1,618

Hiermit wird das (gerundete) Seitenverhältnis beim Goldenen Schnitt definiert. Man spricht von einer Strecke „a“ und einer Strecke „b“. Auf Prozentwerte verteilt ergibt sich somit ein Seitenverhältnis von 61,8 Prozent (Strecke „a“) zu 38,2 Prozent ( Strecke „b“).

Mit diesen Werten lassen sich nun beispielsweise Fotos aufteilen. Es wird eine größere Fläche und eine etwas kleinere Fläche eingezeichnet. Diese steht im Verhältnis 1 : 1,618. Das Interessante dabei ist, dass sich das ganze Spielchen noch weiter innerhalb der gezeichneten Flächen fortführen lässt. Die Krönung mündet schließlich in einer Goldenen Spirale – doch dazu später mehr. Durch die eingezeichneten Linien ergibt sich eine Art Raster. Genau dort, wo sich diese Linien kreuzen, liegt der Goldene Schnitt.

Möchte man jetzt etwas harmonisch und ästhetisch ansprechend in den Fokus rücken, so hat man dank dieser Methode nun passende Positionen zur Auswahl. Die ermittelten Stellen lassen sich ideal zum Ausrichten von Menschen oder Objekten nutzen.

Tipp: Für das Einzeichnen der Linien verwendet man am besten Photoshop oder ein ähnliches Programm. In der Software dann einfach eine neue Ebene anlegen. Jetzt lassen sich die Linien bei Bedarf ein- und ausblenden!

Die Goldene Spirale

Durch eine fortlaufende Teilung der Flächen lässt sich eine Spirale ableiten. Es handelt sich dabei um die sogenannte Goldene Spirale, die auch als Fibonacci Spirale (benannt nach Leonardo Fibonacci) bezeichnet wird.

Goldene Spirale

Diese bildet sich durch eine Annährung von Viertelkreisen, die bei jeder flächenbedingten Drehung (um 90 Grad) ihren Radius ändern. Darstellen und Nachempfinden lässt sich das am besten mit einem Zirkel. Mit dieser Goldenen Spirale gestaltet es sich zum Teil etwas einfacher, ästhetische Position im Bild oder in der Gestaltung zu finden. Die Goldene Spirale lässt sich auf vier verschiedenen Arten verwenden.

Da nicht jeder einen Zirkel zur Hand hat, gibt es hier die Goldene Spirale zum Herunterladen im hochauflösendem Format (3200 x 1983px):

Download Goldene Spirale (PNG)

Goldene Schnitt Formel für Schönheit

Goldener Schnitt Formel

Ist Schönheit messbar? In der Wissenschaft und Mathematik wird der Goldene Schnitt mit der Formel (a+b)/a = a/b berechnet. In der Rechnung ergibt sich ein Teilungsverhältnis, bei dem Phi (Φ) eine irrationale Zahl darstellt. Diese lässt sich nicht als Bruch ganzer Zahlen darstellen.

Dem Mysterium der Schönheit geht auch ein Essay von Dr. Ruben Stelzner auf den Grund. Die naturwissenschaftlich-philosophische Abhandlung ist in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Schad, Karl-Schweisfurth-Institut, Universität Witten/Herdecke und dem Studium Fundamentale der Universität Witten/Herdecke entstanden. Die Ausarbeitungen lassen sich als PDF-Datei herunterladen.

Zudem gibt es von Pamela M. Pallett, Stephen Link und Kang Lee eine Studie, die sich mit den Goldenen Proportionen für Gesichter auseinandersetzt. Die Wissenschaftler erläutern, weshalb der Mensch bestimmte Gesichter als schön empfindet. Man ist bei den Forschungen auf interessante Formeln und Erkenntnisse gestoßen. Diese sind in der „New golden ratios for facial beauty“ genannten Studie im Detail nachzulesen. Die gemessenen Werte weichen leicht von den Proportionen des Goldenen Schnitts ab und bieten Raum zu Kritik und Auseinandersetzung.

Der Goldene Schnitt in Kunst und Architektur

Im Jahre 1490 ist mit dem „vitruvianischen Menschen“ eines der bekanntesten Werke von Leonardo da Vinci entstanden. Das Verhältnis zwischen dem Radius des Kreises und der entsprechenden Seitenlänge des im Bild zu sehenenden Quadrates entsprechen nahezu dem Verhältnis des Goldenen Schnitts. Aufgrund dieser Tatsache wird das berühmte Werk des Meisters oft auch als Darstellung des Menschen im Goldenen Schnitt bezeichnet. Es vereint die idealisierten Proportionen eines Menschen.

Ein Zufall? Keineswegs, denn der große italienische Meister verband eine Freundschaft mit dem Mathematiker Luca Pacioli. Beide arbeiteten damals zusammen an dem Buch De divina proportione. Übersetzt bedeutet das in etwa „Über das göttliche Verhältnis“.

Vitruvianischer Mensch

Der Goldene Schnitt war also schon damals in der Kunst und Architektur ein Bestandteil, um das Schöne und Strebenswerte darzustellen. Es geht zeitlich sogar noch weiter zurück: Die erste Beschreibung wurde im zweiten Buch der Elemente des Euklid ausfindet gemacht. Das war bereits im Jahre 300 vor Christus herum. Außerdem zeigt sich die weltberühmte Statue der Venus von Milo im zweiten Jahrhundert vor Christus ebenfalls mit göttlichen Proportionen.

Der „vitruvianische Mensch“ ist übrigens eine Studie des Menschen. Namensgeber ist der römische Architekt und Schriftsteller Marcus Vitruvius Pollio. Er lebte im ersten Jahrhundert vor Christus und schrieb viele Bücher über die Prinzipien der Architektur.

Sieht man sich einmal die Bilder in den berühmten Galerien dieser Welt an, so lässt sich feststellen, dass anscheinend viele Werke nach dem Goldenen Schnitt gemalt sind. Sei es der deutsche Maler Albrecht Dürer oder der italienische Meister Raffael – das goldene Verhältnis sorgt für Ästhetik in der Kunst.

Die Prinzipien des Goldenen Schnitts finden sich zudem in alten Tempeln der Antike und natürlich in vielen Bauten der heutigen Zeit wieder.

Goldener Schnitt für Designer

Für Designer gestaltet sich der Gebrauch der goldenen Proportionen im Corporate Design als vorteilhaft. Logos, Prospekte und Anzeigenmotive, die mithilfe eines Gestaltungsrasters auf Grundlage des Goldenen Schnitts entstehen, werden häufig als besonders harmonisch empfunden. Als Beispiele sind hier unter anderem die Logos von Marken wie Apple, Atari, Honda, BP, Pepsi und Toyota zu nennen.

Goldener Schnitt im Logo von Pepsi

Eine hilfreiche Einführung, wie man sich als Designer den Goldenen Schnitt zunutze machen kann, bietet das nachfolgende Video von Guido Vrola. In vielen Beispielen wird auf die Verwendung von ansprechenden Proportionen im Design eingegangen.

Kritik am Goldenen Schnitt

Unter Kunsthistorikern ist die Idee, dass Maler unterschiedlicher Epochen ihre Bildfläche im Verhältnis des Goldenen Schnitts aufgeteilt und anschließend die Linien für die Bildkomposition genutzt haben, äußerst umstritten. In keinem überlieferten Dokument wurde von keinem der großen Meister ausdrücklich der Begriff »Goldener Schnitt« gebraucht. Vielmehr ist hier und da von Proportionen der Schönheit und Idealen zu lesen.

Manche Experten sind der Meinung, dass sich immer irgendwo ein Element finden lässt, dass sich mit dem sogenannten Goldenen Schnitt in Verbindung bringen lässt. Das würde schließlich in der Natur der Dinge liegen. Es handele sich beim Goldenen Schnitt eher um ein kulturhistorisches Phänomen. Es ziehe sich durch die Geschichte der Menschheit. Fakt ist auch, dass nicht immer und überall der Goldene Schnitt genutzt wird. Manche Kreative verzichten beispielsweise komplett darauf und erzielen dennoch äußerst ansprechende Ergebnisse.

Mit der Nachweisbarkeit bzw. Relevanz beschäftigt sich beispielsweise das Buch „Göttlich Golden Genial: Weltformel Goldener Schnitt?“. Die Publikation ist als Begleitband zu Ausstellungen im Museum für Kommunikation in Berlin erschienen. In dem Buch gehen diverse Autoren dem Goldenen Schnitt auf den Grund und teilen ihre Ansichten mit. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, kann ja mal einen Blick riskieren.

Silberner Schnitt als Alternative

So weit, so gut. Spricht der Goldene Schnitt nun also alle Menschen auf der ganzen Welt an? Nicht ganz, denn es gibt da beispielsweise noch den Silbernen Schnitt. Vor allem in Japan zieht man dieses Seitenverhältnis dem des Goldenen Schnitts vor.

Während bei letztgenanntem ein gerundeter Wert von ca. 1 : 1,6 zugrundeliegt, weist der Silberne Schnitt ein Verhältnis von 1 : 1,4 auf.

Silberner Schnitt bei einem japanischen Tempel

In der japanischen Baukunst findet man den Silbernen Schnitt bei vielen Tempeln wider. Auch in der asiatischen Kunst hat sich das Zahlenverhältnis durchgesetzt. Einer Umfrage zufolge gefällt der Mehrheit der Menschen in Japan der Silberne Schnitt deutlich besser als der Goldene Schnitt. Dieselbe Studie besagt auch, dass Japaner sehr gerne quadratische Formen mögen.

Eine weitere gebräuchliche Art, um einen ansprechenden Bildausschnitt in der Fotografie zu erzielen, ist die Drittel-Regel.

4.8 16

Kommentieren

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung.