Design Thinking 2026: Methode, Prozess & KI-Einsatz erklärt

Mit Design Thinking lassen sich komplexe Probleme lösen und innovative Ideen entwickeln. Doch wie hat sich der nutzerorientierte Prozess im Zeitalter von KI verändert? Eine aktuelle Erklärung, was sich hinter der Methode verbirgt, wie die 6 Phasen ablaufen und wie künstliche Intelligenz heute dabei unterstützt, findet man hier.

Design Thinking Prozess Grafik

Was ist Design Thinking? Einfach erklärt

Bei Design Thinking handelt es sich um einen systematischen Ansatz zur Lösung komplexer Probleme. Die Methode zielt darauf ab, Innovationen zu entwickeln, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren (User Centricity).

Ursprünglich von der Innovationsagentur IDEO (Tim Brown) geprägt, kombiniert der Ansatz das Machbare (Technologie), das Wirtschaftliche (Business) und das Wünschenswerte (Mensch). Anders als bei rein analytischen Methoden wird hier auf Empathie, Experimentierfreude und schnelle Fehlerkultur gesetzt.

Der Design Thinking Prozess (Die 6 Phasen)

Design Thinking Phasen

Der Prozess ist nicht linear, sondern iterativ. Das bedeutet: Es ist erwünscht, Schritte zu wiederholen, sobald neue Erkenntnisse vorliegen. Der klassische Ablauf gliedert sich in sechs Phasen:

1. Verstehen (Understand)

Zunächst gilt es, das Problemfeld vollständig zu durchdringen. Alle Beteiligten bringen sich auf denselben Wissensstand. Es wird definiert, welche Herausforderung eigentlich gelöst werden soll – oft unterscheidet sich das eigentliche Problem nämlich vom Briefing.

2. Beobachten (Observe)

Hier steht die Empathie im Fokus. Durch Interviews, Beobachtungen und Recherche wird die Zielgruppe analysiert. Was fühlen die Nutzer? Wo haben sie Schmerzen (Pain Points)? Es geht nicht um Annahmen, sondern um echte Einblicke.

3. Sichtweise definieren (Define Point of View)

Die gesammelten Informationen werden synthetisiert. Muster werden erkannt und eine klare Nutzer-Perspektive (Persona) formuliert. Das Ergebnis ist oft eine „How might we…“-Frage („Wie könnten wir…“), die als Sprungbrett für Ideen dient.

4. Ideen finden (Ideate)

In dieser Phase sind Quantität und Kreativität gefragt. Mit Techniken wie Brainstorming oder der „Crazy 8“-Methode werden möglichst viele Lösungsansätze gesammelt. Bewertungen oder Kritik sind hier noch tabu.

5. Prototypen entwickeln (Prototype)

Design-Thinking Prototypen entwickeln

„Show, don’t tell.“ Ideen werden greifbar gemacht. Das kann eine Skizze, ein Modell aus Pappe oder ein digitaler Clickdummy sein. Der Prototyp muss nicht perfekt sein, sondern die Idee kommunizieren.

6. Testen (Test)

Die Prototypen werden echten Nutzern vorgelegt. Das Feedback ist essenziell: Was wird verstanden? Was fehlt? Oft führt diese Phase zurück zur Idefindung oder sogar zur Neudefinition des Problems.

Neu: Design Thinking im Zeitalter von KI

Künstliche Intelligenz als Teammitglied
Im Jahr 2026 hat sich Design Thinking weiterentwickelt. KI-Tools wie ChatGPT oder Midjourney werden heute in fast jeder Phase integriert:

  • Recherche: KI analysiert riesige Datenmengen zu Nutzerverhalten in Sekunden.
  • Ideation: Sprachmodelle dienen als Sparringspartner für Brainstormings.
  • Prototyping: Generative KI erstellt visuelle Mockups oder schreibt Code-Schnipsel für MVPs in Rekordzeit.

Das menschliche Element (Empathie) bleibt jedoch unersetzbar.

Erfolgsfaktoren: Warum es funktioniert

Warum scheitern manche Projekte trotz Methode? Oft liegt es an der Kultur. Drei Faktoren sind entscheidend:

  • Multidisziplinäre Teams: Wenn BWLer, Designer, Techniker und Psychologen zusammenarbeiten, entstehen vielfältigere Lösungen als in Silos.
  • Variable Räume: Flexibles Mobiliar, Whiteboards und Stehtische fördern die Agilität. Starre Konferenzräume hemmen sie.
  • Fehlerkultur: „Fail early, fail often.“ Fehler werden als Lernchance begriffen, nicht als Versagen.

Tipps für die Praxis

Tim Brown (IDEO) empfiehlt:

  • Früh starten: Die Methode sollte nicht erst genutzt werden, wenn das Projekt schon festgefahren ist.
  • Menschzentriert bleiben: Technologie ist nur das Werkzeug, der Mensch ist das Ziel.
  • Externe einbinden: Echte Kunden bringen oft die wertvollsten (und schmerzhaftesten) Einsichten.

Design Thinking lernen & Ressourcen

Wer tiefer einsteigen möchte, findet hier kuratierte Quellen:

Stanford D.School (PDF)

Die „Bibel“ des Design Thinking. Der Bootcamp Bootleg der Stanford University ist nach wie vor eine der besten kostenlosen Einführungen.

Buchtipps

Tim Brown Buch
  • „Change by Design“ von Tim Brown: Das Standardwerk für strategisches Verständnis.
  • „Das Design Thinking Playbook“: Ein praktischer Guide mit vielen Vorlagen für Workshops.
  • Design Thinking Schnellstart: Kompakt für den direkten Einstieg.

Beispiele aus der Praxis

Unternehmen wie Google, Apple oder Airbnb nutzen diese Methode täglich. Google Ventures hat daraus den „Design Sprint“ entwickelt – eine auf 5 Tage komprimierte Version des Prozesses.

Beispiel Airbnb: Das Unternehmen steckte in der Krise, weil die Umsätze stagnierten. Durch Design Thinking (Phase „Beobachten“) fanden die Gründer heraus, dass die schlechte Fotoqualität der Inserate das Problem war. Die Lösung (Prototyp & Test): Professionelle Fotoservices für Gastgeber. Der Umsatz verdoppelte sich kurz darauf.

Kritik an der Methode

Trotz des Hypes gibt es berechtigte Einwände:

  • „Theater der Innovation“: Oft werden Workshops abgehalten und Wände mit Post-its beklebt, ohne dass danach echte Taten folgen.
  • Konservativismus: Kritiker wie Natasha Iskander argumentieren, dass Design Thinking oft nur den Status Quo bewahrt, statt radikale systemische Änderungen zuzulassen.
  • Kommerzialisierung: Der Begriff wird oft als teures Beratungs-Label verkauft, ohne die tiefe kulturelle Änderung im Unternehmen voranzutreiben.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Design Thinking nur für Designer?

Nein. Obwohl der Name es vermuten lässt, ist die Methode universell einsetzbar – vom Management über HR bis zur Softwareentwicklung. Es geht um die Denkweise eines Designers, nicht um die grafische Gestaltung.

Was ist der Unterschied zu Scrum oder Agile?

Design Thinking fokussiert sich auf das Finden der richtigen Lösung (Problemraum). Agile und Scrum fokussieren sich auf die effiziente Umsetzung dieser Lösung (Lösungsraum). Oft werden die Methoden kombiniert.

Wie lange dauert ein Design Thinking Prozess?

Das variiert stark. Ein „Design Sprint“ dauert oft nur 5 Tage. Große strategische Projekte können Wochen oder Monate dauern. Wichtig ist der iterative Charakter: Es ist nie wirklich „fertig“.

Fazit

Design Thinking ist kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug, um Nutzerbedürfnisse in den Mittelpunkt zu rücken. Besonders in Kombination mit neuen KI-Tools bietet die Methode auch 2026 enormes Potenzial für Unternehmen, die bereit sind, Silos aufzubrechen und echte Experimente zu wagen.

  1. Vorneweg ein Design Thinking Video Tipp: Design Thinking – Adobe Live Event Day 1 von 2018: https://www.youtube.com/watch?v=tsePToj6nw4 da zeigt Travis Neilson live die Methode in einem Workshop im Rahmen von UX Design. Die Google Videos im Artikel oben sind von 2016 und das erste ist gut, Prototypen mit Papier, aber digital und native Prototyping sind schon überholt, software seitig…

    Zum Artikel:

    Als Ausgangsbasis zur Vertiefung für meinen UXD, UID und generell Design Prozess super zusammengetragen! Danke. Von den Roots (Tim Brown) über einfach-praktisch (Workshop Literatur, Videos) bis hin zu wissenschaftlich-vertieft (Kritik am… rof. Dr. Wolfgang Jonas) alles dabei.

    Vielen Dank, Michael Bertleff von www.website-freiburg.de

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