Lineart: Kreatives aus Linien
Weniger ist mehr: Line Art ist der Trend zur absoluten Reduktion. Mit nur einer einzigen Linie entstehen komplexe Gesichter, Körper und Formen. Wir zeigen inspirierende Beispiele, erklären die Technik und bieten kostenlose Downloads für deine eigenen minimalistischen Kunstwerke.

Was ist Line Art? Definition & Merkmale
Line Art (zu Deutsch: Linienkunst) bezeichnet Zeichnungen, die ausschließlich aus Linien bestehen.
Im Gegensatz zu klassischen Gemälden verzichtet dieser Stil komplett auf Schattierungen, Farbverläufe oder gefüllte Flächen. Die Linie ist das einzige Gestaltungsmittel, um Form, Raum und Emotion auszudrücken. Der Hintergrund ist meist einfarbig (oft weiß), was den minimalistischen Charakter unterstreicht.
In einer visuell überladenen Welt sehnt sich das Auge nach Ruhe. Line Art wirkt elegant, zeitlos und passt perfekt zu modernen Einrichtungsstilen (Scandi, Japandi) sowie zu sauberem Webdesign.
Die wichtigsten Stile: One Line vs. Contour Drawing
Nicht jede Strichzeichnung ist gleich. Man unterscheidet zwei Hauptströmungen:
- One Line Art (Continuous Line): Die Königsdisziplin. Der Stift wird vom Anfang bis zum Ende nicht abgesetzt. Das Bild besteht aus einer einzigen, ununterbrochenen Linie. Bekanntester Vertreter: Pablo Picasso.
- Contour Drawing (Konturzeichnung): Hier werden nur die Außenkanten und wichtigsten Binnenlinien eines Objekts gezeichnet. Es dürfen mehrere Linien sein, aber sie bleiben strikt zweidimensional.
Inspirierende Beispiele: Von Logo bis Verpackung
Wie vielseitig dieser Stil ist, zeigen aktuelle Projekte aus der Design-Welt. Besonders im Branding wird Line Art genutzt, um Leichtigkeit und Eleganz zu vermitteln.
1. Gymondo (Branding in Bewegung)

Hier symbolisiert die Linie Dynamik und den Fluss einer Bewegung – perfekt für eine Fitness-Marke.
2. Wild Lines (One Line Art)

Das französische Studio loooop beweist, dass man mit nur einem Strich komplexe Tiere und Szenen darstellen kann.
Tutorial: Line Art in 3 Schritten selbst zeichnen
Du willst selbst kreativ werden? Egal ob analog mit Fineliner oder digital am iPad – so gelingt der Einstieg:
- Die Vorlage wählen: Nimm ein Foto mit klaren Konturen (z.B. ein Porträt oder eine Monstera-Pflanze). Reduziere die Deckkraft des Fotos, sodass es nur noch blass zu sehen ist.
- Die „Wichtigsten“ finden: Ignoriere Schatten und kleine Details. Frage dich: Welche Linien sind absolut notwendig, um das Motiv zu erkennen? Zeichne nur diese nach.
- Der Flow (für One Line): Setze den Stift an einer unauffälligen Stelle an (z.B. am Halsansatz). Versuche nun, das Auge, die Nase und den Mund zu verbinden, ohne abzusetzen. Fehler sind hier Stilmittel! Lass die Linie ruhig mal „falsch“ laufen, das macht den Charme aus.
Kostenlose Downloads: Brushes & Vektoren
Für den digitalen Start haben wir die besten kostenlosen Ressourcen gesammelt:
Procreate Ink Brushes (Kostenlos)

Perfekt für den analogen „Tusche-Look“ auf dem iPad. Die Pinsel reagieren sensibel auf Druck und erzeugen organische Linien.
One Line Graphics (Vektoren)

Wer fertige Motive sucht: Hier gibt es Vektorgrafiken von Händen und Gesichtern, die sich beliebig skalieren lassen.
Häufige Fragen zu Line Art (FAQ)
Welche Stifte eignen sich für analoge Line Art?
Am besten eignen sich Fineliner mit Pigmenttusche (z.B. Micron oder Copic Multiliner) in Stärken von 0.3 bis 0.8 mm. Sie bluten nicht aus und erzeugen ein tiefes Schwarz.
Kann man Line Art Bilder kommerziell nutzen?
Selbst gezeichnete Bilder natürlich ja. Bei Downloads (wie oben verlinkt) muss man immer die Lizenz prüfen. Viele kostenlose Ressourcen sind nur für private Zwecke (Personal Use) freigegeben.
Wie digitalisiere ich meine Zeichnung am besten?
Die Zeichnung mit mind. 300 dpi als Graustufenbild scannen. In Photoshop lässt sich dann über „Bild > Korrekturen > Tonwertkorrektur“ der Kontrast erhöhen, bis der Hintergrund rein weiß und die Linie rein schwarz ist.



