Bauhaus-Manifest 2026 veröffentlicht: Bündnis setzt Zeichen für Freiheit und Weltoffenheit
Zum Jubiläum »100 Jahre Bauhaus Dessau« haben sich Institutionen aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur und Kirchen hinter dem »Bauhaus-Manifest 2026« versammelt. Die Erklärung bekennt sich zur Freiheit künstlerischen Denkens, zu Weltoffenheit und demokratischer Kultur. Auch die Öffentlichkeit kann das Manifest unterstützen.

Das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus musste seinen dortigen Betrieb 1925 nach massiven Etatkürzungen und politischem Druck einstellen und setzte seine Arbeit anschließend in Dessau fort. Im Jahr 1926 erhielt es den offiziellen Status einer Hochschule für Gestaltung; am 4. Dezember desselben Jahres wurde das von Walter Gropius entworfene Bauhausgebäude eröffnet.
Nachdem der Dessauer Gemeinderat 1932 auf Antrag der NSDAP die Schließung beschlossen hatte, führte Ludwig Mies van der Rohe die Schule in Berlin als privates Institut weiter. Nach einer Durchsuchung durch die Gestapo lösten die Lehrkräfte das Bauhaus im Juli 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten endgültig auf.
Mit der neuartigen Verbindung von Kunst und Handwerk, Gestaltung und Technik sowie Design und Architektur wurde das Bauhaus zu einem der bedeutendsten kulturellen Projekte der Moderne. Ausgewählte Bauhausstätten in Weimar, Dessau und Bernau gehören heute zum UNESCO-Welterbe.
Ein Zeichen gegen populistische Angriffe
Auf Initiative von Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer haben sich Verbände und Institutionen aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur und Kirchen zusammengeschlossen und das »Bauhaus-Manifest 2026« unterzeichnet. Die Erklärung erinnert an die gesellschaftspolitische Haltung der historischen Avantgarde-Schule und überträgt deren Grundgedanken auf die Gegenwart.
Das Manifest formuliert ein Plädoyer für die Freiheit des künstlerischen Denkens, die Offenheit gegenüber neuen Ideen und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen. Kulturelle Innovation wird darin zugleich als wichtiger Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft verstanden. Die Unterzeichnenden wollen die Prinzipien und Institutionen des Bauhauses gegen populistische und demokratiefeindliche Angriffe verteidigen.
Das Manifest umfasst sechs zentrale Grundsätze:
- Bekenntnis zum Bauhaus und zur Verteidigung seiner Institutionen
- Wertschätzung von Kulturbauten als identitätsstiftende öffentliche Räume
- Erinnerungskultur als Grundlage demokratischer Orientierung
- Stärkung unabhängiger Kulturinstitutionen als kritisches Korrektiv
- Förderung von synergetischem und disziplinübergreifendem Denken
- Eintreten für Weltoffenheit und gegen kulturfeindlichen Nationalismus
Breites Bündnis ruft zur Unterstützung auf
Zu den Erstunterzeichnenden gehören Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Institutionen aus Kultur, Gestaltung, Politik, Handwerk und Gesellschaft. Beteiligt sind unter anderem die Akademie der Künste, die Bundesarchitektenkammer, die Deutsche UNESCO-Kommission, der Deutsche Designtag, der Deutsche Kulturrat, der Deutsche Museumsbund, der Deutsche Städtetag und das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste.
Auch der German Design Council – Rat für Formgebung, ICOM Deutschland, der Zentralverband des Deutschen Handwerks, die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland unterstützen das Vorhaben.


