Industrial Design: Die Designdisziplin in der Übersicht

Industrial Designer gestalten Gebrauchs- und Investitionsgüter. Neben der funktionalen Entwicklung sowie Formgebung von Produkten, erweist sich die Designdisziplin allgemein als vielfältig. Über Industrial Design, Studium und Perspektiven für Kreative.

Industrial Design

Industrial Design Definition

Schaut man sich die Designdisziplin Industrial Design einmal näher an, wird schnell klar, dass viel mit diesem Bereich abgedeckt wird. Der englische Begriff Industrial Design steht nämlich für Industriedesign. Damit ist die Gestaltung von Konsum- und Investitionsgütern unterschiedlichster Art gemeint.

Konsumgüter und Investititionsgüter

Konsumgüter sind Gegenstände des täglichen Bedarfs, die für den privaten Gebrauch oder Verbrauch gedacht sind. Möbel, Teller, Kaffeemaschinen, Waschmaschinen oder Automobile zählen beispielsweise dazu. Sicherlich ist davon auszugehen, dass bei den entsprechenden Entwicklungen der Herstellung Industrial Designer – oft auch als Produtdesigner bezeichnet – ihre kreativen Hände mit im Spiel haben.

Gleiches gilt auch für die sogenannten Investitionsgüter. Unter diesem Begriff werden Maschinen, Werkhallen und weitere elektronische Geräte zusammengefasst, die der Produktion dienen. Ein ebenfalls spannendes Betätigungsfeld für erfahrene Industriedesigner.

Übrigens: Der Begriff „Industrial Design“ wurde erstmals 1919 von Joseph Sinel verwendet. 1927 griff der Produktdesigner Norman Bel Geddes die Bezeichnung auf. Durch das 1944 gegründete Council of Industrial Design wurde diese schließlich populär und anschließend als „Industriedesign“ in die deutsche Sprache übernommen.

Was macht ein Industriedesigner?

Industriedesigner mit futuristischer BrilleZu den Aufgaben eines Industriedesigners gehört es nicht nur, serienfertige Produkte auf ästhetische Art und Weise zu gestalten. Kreative in dieser Designdisziplin achten vielmehr darauf, dass die Erzeugnisse bestmöglich ihren entsprechenden Zweck erfüllen. Auch der Nutzen steht im Fokus. Bei der Gestaltung von Gebrauchs- und Investitionsgütern muss zudem die wirtschaftliche Herstellbarkeit beachtet werden.

Industriedesigner verfolgen außerdem einen ganzheitlichen Ansatz. Oftmals gilt es, die teilweise unterschiedlichen Interessen von Produzenten und Konsumenten mithilfe von Produktentwürfen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Funktion und Effizienz spielen eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung.

Industrial Design bietet somit die Möglichkeit, Gegenständen einen Sinn zu verleihen und sie brauchbarer, effizienter und verständlicher machen.

Industrial Design SkizzenBei so vielen zu gestaltenden Produkten und Prozessen wird allerdings auch deutlich, dass sich das Berufsbild Industriedesign in weitere Fachgebiete unterteilt, die entsprechende Spezialisten hervorbringen.

Um Inhalte und Zielvorgaben beim Industriedesign besser kommunizieren zu können, hat der Verband deutscher Industriedesigner den VDID Codex der Industriedesigner herausgebracht. Dieser befasst sich mit den Herausforderungen der Zukunft und stellt Leitwerte für verantwortungsvolles Gestalten vor. Die entsprechende PDF-Datei kann kostenlos heruntergeladen werden.

Futuristische Möbel
Futuristische Möbel im Wartebereich des Taiwan Taoyuan International Airports.

Industrial Design Studium / Industriedesigner Ausbildung

Die Kombination aus Design und Technik gilt in der Wirtschaft als gefragt. Der Beruf des Industriedesigners bzw. Produktdesigners ist prädestiniert für Branchen wie Fahrzeugbau, Möbelindustrie, Elektronik, Werkzeuge oder Haushaltswaren.

Wo kann man Industriedesign studieren?
Industriedesigner StudiumEin entsprechendes Studium wird derzeit bundesweit bei etwa 14 Kunsthochschulen bzw. Fachhochschulen angeboten. Der Abschluss mit Bachelor ist zumeist auf sechs bis acht Semester ausgelegt. Je nach Hochschule liegt der gestalterische Aspekt oder der Bezug zur Praxis mal mehr oder weniger im Fokus. Außerdem lässt sich Industriedesign auch als Master studieren.

Industrial Design AutomotiveFür ein Industriedesign Studium wird in der Regel die Allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife vorausgesetzt. Außerdem ist auch eine Bewerbung über eine Ausbildung mit entsprechendem Meistertitel in einem verwandten Fachbereich bzw. mit zusätzlicher Berufserfahrung möglich.

Einige Industriedesigner ziehen nach dem Studium eine selbstständige Tätigkeit in Erwägung, denken über die Gründung eigenes Produktdesign-Studios nach oder möchten einer Beschäftigung in einem Designbüro oder Kommunikationsagentur nachgehen, die sich mit Produktentwicklung beschäftigt.

Industriedesign Gehalt

Laut den statistischen Angaben von Stepstone können Industriedesigner bis zu 60.600 Euro jährlich verdienen (Stand: August 2020). Das durchschnittliche Gehalt eines Industriedesigners in Festanstellung wird mit ca. 49.100 Euro angegeben. In Großstädten wie München, Berlin und Hamburg wird der Bedarf an Absolventen dieser Designdisziplin als besonders hoch geschätzt.

Das Portal glassdor hat 59.243 Euro als Gehalt-Bundesdurchschnitt ermittelt. Beim Portal Gehalt.de geht man jedoch von einem Durchschnittsgehalt von ca. 4.509 Euro (brutto) monatlich aus.

Trotz entsprechendem Bedarf in der Industrie, scheinen Einsteiger es jedoch schwer zu haben. Grund ist die nicht oder kaum vorhandene Berufserfahrung. Beispielsweise beleuchtet ein Artikel auf ZEIT campus den Werdegang eines gelernten Produktdesigners nach dem Studium.

Berühmte Industriedesigner

Dieter Rams - ein berühmter Industriedesigner
Der berühmte Industriedesigner Dieter Rams (Abb. aus dem Buch Zehn Thesen für gutes Design, erschienen im Verlag Prestel).

Der Bereich Industrial Design hat jedoch auch eine ganze Reihe an bekannten Persönlichkeiten hervorgebracht. Zu den berühmten Industriedesignern der Geschichte gehören beispielsweise:

  • Wilhelm Wagenfeld (deutscher Pionier des Industriedesigns)
  • Dieter Rams (Designer von Braun)
  • Ingo Maurer (unter anderem bekannt für seine Leuchten- und Lichtinstallationen)
  • Konstantin Grcic (einflussreicher Designer der Gegenwart)
  • Philippe Starck (französischer Designer und Architekt)
  • Raymond Loewy (einer der bedeutendsten Gestalter der USA)
  • Arne Jacobsen (Dänischer Architekt und Designer)
  • Charles Eames (Nachkriegsdesign und funktionale Möbelentwürfe)
  • Brooks Stevens (US-amerikanischer Designer für Einrichtungsgegenstände)
  • Franco Albini (Italienischer Designer)
  • Florence Knoll (Vorreiterin für modernes Möbel-Design)
  • Luigi Colani (Aerodynamische und biomorphe Formen)
  • James Dyson (Britischer Designer, Erfinder und Unternehmer)
  • Anna Castelli Ferrieri (ehem. Chef-Designerin der Firma Kartell)
  • Peter Behrens (Gebäude in verschiedenen Stilrichtungen)
  • Louis Lucien Lepoix (Fahrzeugentwürfe)
  • Joe Colombo (Gebrauchsgegenstände und Möbelstücke)
  • Richard A. Teague (Automotive Designer)
  • Norman Bel Geddes (US-amerikanischer Bühnenbildner und Produktdesigner)
  • Henry Dreyfuss (wichtiger Vertreter des Art-déco-Stils Streamline-Moderne)
  • Marcello Nizzoli (bekannt durch Schreibmaschinen-Design)
  • Joseph Sinel (Wegweisender Industriedesigner in den USA)

Die Liste ließe sich beliebig lange fortsetzen. Mehr über Industriedesigner erfährt man zudem auf der Website von Klingenberg. Die bedeutendsten Designer des 20. Jahrhunderts stellt Deutsche Welle in einer Bildergalerie vor. welt.de beschreibt außerdem, warum Industriedesign aus Deutschland angesagt ist.

5 5

Kommentieren

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung.